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Allgemeine Energiepolitik

Die Fragen um die Energieversorgung im Land erfordern eine vorausschauende Politik, eine Politik, die sich mit den Erfordernissen und den Folgen ihres Handelns auseinandersetzt. In den ersten Jahrzehnten seit Bestehen der Bundesrepublik ging es in erster Linie um den Wiederaufbau, um die richtige Außenpolitik und um den Erfolg der Marktwirtschaft. Die Energieversorgung wurde all die Jahre nur unter rein wirtschaftspolitischen Aspekten betrachtet.

Wie sich der ungebremste, stetig wachsende Energieverbrauch auf die Gesundheit der Menschen, auf Umwelt und Klima auswirkt, ist zwar schon lange bekannt, hat aber bis heute politisch nur zu unzureichenden Konsequenzen geführt. Die Erderwärmung hat durch den Treibhauseffekt durch CO2-Ausstoß so bedrohliche Formen angenommen, dass wir sofort dagegen steuern müssten. Doch eine sofortige Begrenzung der CO2-Emissionen ist nicht in Sicht, weder hierzulande noch in anderen Teilen des Globus.

Verschmutzungsrechte

Die Industrie hat sich mit Hilfe der Politik und mit der Drohung vor dem Verlust von Arbeitsplätzen bis heute das Recht gesichert, nahezu ungehindert die Luft mit CO2 zu belasten. Zurzeit kostet eine Tonne CO2-Verschmutzungsrecht 5 Euro. Es gibt gegenwärtig 1,8 Milliarden überschüssige Verschmutzungsrechte auf dem freien Markt. Deshalb ist der Preis dafür auf diesen lächerlich niedrigen Wert gefallen. So sind und bleiben alte, umweltschädliche Kohlekraftwerke am Netz, neue werden sogar noch dazu gebaut, und diese Politik macht es den moderneren Gaskraftwerken (auch den bestehenden!) unmöglich, rentabel zu produzieren. Mindestens 19 Euro müsste die Tonne CO2 (laut EU-Kommission) kosten, damit bei den Kraftwerksbetreibern Anreize entstehen, auf umweltverträgliche Energiegewinnung umzusteigen und zu investieren.

Diesem Irrsinn entgegenzuwirken, hatte die schwarz-gelbe Vorgänger-Regierung nicht geschafft. Die Autolobby, die großen Stromverbraucher sowie die Energiekonzerne haben das erfolgreich verhindert.

Ob sich nun mit der schwarz-roten Regierung etwas ändert, bleibt nur zu hoffen.

http://www.deutschlandradio.de: Vier Euro pro Tonne CO2 – Verschmutzungsrechte bleiben billig

http://www.naturefund.de/CO2Rechner

http://www.spiegel.de: Neue CO2-Grenzwerte vom EU-Parlament verabschiedet

Boom der Atomenergie

Nachdem das Ruhrgebiet vom Kohlestaub schwarz verrußt war, die Kleingärtner ihren Salat nicht mehr essen konnten, jedoch der Energiehunger der Bevölkerung unstillbar groß blieb, mussten neue Formen der Energiegewinnung gefunden werden. Als es dann auch noch zur ersten Öl-Krise 1973/74 kam, war das der Auftakt zur atomaren Energiegewinnung.

„Strom aus Atom“ war das Gebot der Stunde. Den sich abzeichnenden Gefahren gegenüber verhielt man sich allgemein blind und taub. Die Politiker – ob schwarz, gelb oder rot – bezeichneten die Gefahren als beherrschbar, verdrängten die Möglichkeit von großen Unfällen und belächelten auch wissenschaftlich fundierte Warnungen. Man gab sich dem Wunschdenken hin, dass für den strahlenden Atommüll schon irgendwann eine Lösung gefunden werde. Mit Milliarden Subventionen aus Steuermitteln wurden Atomkraftwerke geplant und errichtet.

Der Physiker Professor Karl Becher (SPD) war einer der ersten namhaften Wissenschaftler, der sich mutig und heftig der Nutzung der Atomkraft widersetzte. Er wusste, wovor er warnte. Seine Partei folgte ihm nicht. Er wurde lächerlich gemacht. Er galt und gilt bis heute als „Vater der Antiatombewegung“ und saß für die SPD von 1957 bis 1972 im Bundestag. Seine Meinung in der Energiefrage stand im krassen Gegensatz zu der Energiepolitik der Regierung von Willy Brandt und auch der von Helmut Schmidt.

Seine Ansichten haben die öffentliche Debatte über Atomkraft dennoch befeuert, haben die Kritiker bestärkt, was letztlich zur Gründung der Partei „Die Grünen“ im Januar 1980 führte. Er selber ist immer der SPD treu geblieben. „Neben einem Kernkraftwerk zu wohnen ist das gleiche, wie neben einer Pulverfabrik zu wohnen. Ich würde sofort wegziehen.“ Bis man ihm glaubte, mussten Jahrzehnte vergehen.

http://www.sonnenseite.com: Der vergessene „Vater“ des Atomausstiegs: Atomphysiker Professor Karl Bechert (SPD)

http://chrismon.evangelisch.de: Karl Bechert, der Vater der Antiatombewegung

Energie aus Erneuerbaren

Menschen lernen durch Einsicht oder durch Katastrophen.

Viele Menschen in Deutschland haben sich offensichtlich durch die Erfahrungen mit der Hitler-Diktatur ein Denken angeeignet, das es ihnen erlaubt, politische Beschlüsse und Entscheidungen kritisch zu hinterfragen. Der Gehorsam gegenüber der Obrigkeit oder auch der Glaube an deren Uneigennützigkeit war und ist nicht automatisch gegeben. Die föderale Länderpolitik in Deutschland hat außerdem dazu beigetragen, dass viele Menschen bereits in den 70er Jahren anfingen, gegen politische Beschlüsse gerichtlich vorzugehen – oft mit Erfolg. So baute sich in kleineren Strukturen Widerstand gegen die Atomkraft auf. Die Warnungen vor der Kernkraft wurden ernstgenommen, man vernetzte sich, holte Wissenschaftler dazu und zeigte den politischen Verharmlosern die rote Karte. (Beispiele: Erste Anti-Atom-Bewegung in Wyhl am Kaiserstuhl 1973, Proteste in Gorleben, Proteste um die geplante WAA in Wackersdorf)

http://www.heise.de: Vor 40 Jahren begann in Wyhl der Anti-Atom-Protest

Andere Menschen brauchten zur Einsicht die drastischen Erfahrungen über Atom-Unfälle und ihre schweren Folgen:

1979 Three Miles Island
1986 Tschernobyl
2011 Fukushima

Aber selbst große Katastrophen verlieren nach einiger Zeit ihren Schrecken und lassen das Handeln erlahmen. Deutschland braucht aber eine Energiepolitik, die ihre Ziele langfristig verfolgt und weder der flüchtigen Wählergunst hinterher hechelt noch den profitgierigen Lobbyisten die Entscheidung überlässt.

Der 5. Bericht des Weltklimarates (ipcc), der im April 2014 in Berlin vorgestellt wurde, verheißt für die Zukunft das Allerschlimmste, wenn wir nicht endlich auf die Treibhausgas-Bremse treten. Andererseits haben die 235 Wissenschaftler aus 58 Nationen auch errechnet, dass eine rasche Energiewende keineswegs so furchtbar teuer wäre, wie es Kritiker immer als Schreckgespenst ausmalen: 0,06 Prozent des jährlichen Wirtschaftswachstums müsste man dafür veranschlagen. Bliebe es beim energetischen Nichtstun, würden nicht nur die Klimaschäden, sondern auch die Kosten des Umsteuerns wesentlich höher ausfallen.

Weniger empfehlenswert sind aus unserer Sicht die Lösungen, die der Weltklimarat vorschlägt. Denn neben konsequentem Ausbau der Erneuerbaren Energien kommen für ihn weiterhin die Atomenergie und die unterirdische Verpressung von Kohlendioxid, die sogenannte CSS-Methode, in Frage. Die Atom-Risiken sind hinlänglich bekannt und über den sehr aufwändigen Einschluss der Treibhausgase weiß man noch viel zu wenig Bescheid. Sie könnten Erdbeben oder Explosionen auslösen, das Grundwasser verseuchen und sich als unbeherrschbar erweisen. Auf diese Weise eine neue, zusätzliche Risikoquelle aufzutun ist, wie wir finden, unverantwortbar. So sieht das auch der Kritiker des Sachstandberichts, Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group: http://www.solarserver.de/solar-magazin: Hans-Josef Fell: Der Weltklimarat ist Teil des Weltklimaproblems

http://www.de-ipcc.de: Der Fünfte IPCC-Sachstandsbericht

 

Die Herausforderung für die Energiepolitik heißt:

Wie kommen wir schnell aus der Kernenergie und aus der Kohleenergie?
Wie bringen wir schnell die Erneuerbaren Energien auf 80 % des Bedarfs?
Wie schaffen wir Speichermöglichkeiten?

Und über allem steht die Frage:

Wie gelangen wir Menschen noch rechtzeitig zu der Erkenntnis, dass Wachstum endlich ist?