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Erneuerbare Energie Fotovoltaik

Solarenergie
Niederbayern ist besser als die USA

von Regine Metz


Die direkte Nutzung der Sonnenenergie kennt zwei Formen:
1.Solarthermie ( Luft oder Wasser werden erwärmt)
2.Photovoltaik  ( direkte Stromerzeugung  durch Sonne)

Das EEG ( Erneuerbaren Energie-Gesetz) bereitete der Photovoltaik (PV)  erfolgreich den Weg.
Allein in Bayern stehen mittlerweile Anlagen mit über 9300 Megawatt Leistung .
Der Gäuboden in Niederbayern erzeugte 2012 mehr Solarstrom als alle sonnenverwöhnten Teile der USA zusammen.
Ein guter Grund auf diesen Erfolg stolz zu sein.

Deutschland ist der technologische und politische Pionier,
die Massenfertigung der Solarmodule findet aber jetzt billiger in China statt.
Ein Problem für die heimischen Hersteller und Handwerker.
 
Der freie Welthandel zeigt hier sein hartes Doppelgesicht.

Anstatt nun durch Förderung der Wettbewerbsfähigkeit den deutschen Technologievorsprung zu sichern, setzt unsere Regierung diese aus Spiel, indem sie die Investitionen in diese Anlagen finanziell unrentabel macht.

Das darf nicht sein!

Das EEG muss verändert und den neuen Bedingungen angepasst werden. Diese Veränderung muss aber den weiteren Ausbau erstrebenswert erhalten und den Bürgern Planungssicherheit geben.

Es sind noch viele Fragen zu lösen, z.B.:
• Wie kann Solarstrom effizient genutzt werden, wenn gerade viel davon vorhanden ist?
• Wie kann man den Strom speichern?
• Braucht man für die Grundlast Kraftwerke? Welche?

Ausflug in die Energie-Zukunft

von Lissy Fischer

Im Juni 2012 veranstaltete die E.F.Schumacher-Gesellschaft für Politische Ökologie e.V. eine Bus-Exkursion zu zwei Photovoltaik-Freiflächenanlagen und einigen Windkraftanlagen in der Gegend von Neumarkt in der Oberpfalz. Lissy Fischer berichtet über ihre Eindrücke.
Gegen 14 Uhr erreichten wir den ersten Solarpark, der ziemlich versteckt in einem Waldgelände lag und durch eine geteerte aber kaum befahrene Zufahrtsstraße erreichbar war. An einem Schlagbaum musste unser Bus anhalten. Dort erwartete uns der Landschaftsarchitekt, Helmut Wartner, der eigens aus Landshut angereist war, um uns die von ihm konzipierten Anlagen vorzustellen. Wer sich über den Schlagbaum wunderte, wurde bald belehrt, dass es sich bei dieser großen Freiflächenanlage um ehemaliges Militärgelände handelte. Nach dem Rückzug der Bundeswehr hatte sich die Frage gestellt, wie man in dieser strukturschwachen Region das Gelände sinnvoll nutzen könnte. Die elektrische Infrastruktur war bereits vorhanden, denn auch bei der Bundeswehr benötigt man Strom und ein gut ausgebautes Leitungsnetz. Sämtliche Arbeiten, wie beispielsweise das Zimmern der Trägergestelle für die Solarpaneele und deren Verankerung im Boden, hatten lokale mittelständische Handwerksbetriebe ausgeführt.

Naturerholung statt Militär

Von der sonnenabgewandten Seite betrachtet, sieht das Ganze aus, wie sehr langgezogene Heustadel oder Unterstände für Weidetiere. So weiden denn auch bis zu 2000 Schafe auf dem eingezäunten ehemaligen Truppenübungsplatz. Ein positiver Faktor ist hier der Naturschutzaspekt, denn auf dem gesamten Gelände werden keinerlei Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Die Natur dankt dies durch eine üppig blühende
Feldflora, wie man sie andernorts schon kaum mehr vorfindet. Erst wenn man die Schafsunterstände von der Südseite her betrachtet, stechen die glänzenden Solarpaneele ins Auge, die in dieser Landschaft schon ein wenig irritieren. Prof. Ernst Schrimpff erklärte uns, dass diese große Anlage im Jahresdurchschnitt etwa 4 MWh Strom liefere. Zum besseren Vergleich fragte ich, wie viel denn nun ein Atomkraftwerk liefere. Die Antwort kam prompt: 1 GWh, also 1000 Megawattstunden. Im Klartext heißt das, wir bräuchten 250 derartige Solarparks, um ein einziges AKW zu ersetzen. Zugegeben, ein enormer Flächenverbrauch! Dass die Fläche allerdings alles andere als „verbraucht“ ist, erläuterten sowohl Herr Wartner als auch Prof. Schrimpff: Zur Befestigung der Solarpaneele werden weniger als 1 Prozent der Bodenfläche versiegelt. Profiteure sind nicht nur die Stromproduzenten, sondern auch Landwirtschaft und Naturschutz.

Wollschweine mögen die Bunker der Bundeswehr

Die Bunker, die von der Bundeswehr noch vorhanden waren, werden ebenfalls neu genutzt: In einem Teil befinden sich die Umspannwerke, in anderen züchtet man seltene, vom Aussterben bedrohte Haustierrassen. So fiel mir beim Annähern an einen solchen Bunker ein extrem strenger Geruch auf. Grund war eine Rotte von Wollschweinen, die in dem kühlen Erdbunker eine artgerechte geräumige Behausung gefunden haben. Gleich im Anschluss an die Solaranlage befindet sich ein wertvolles Feuchtbiotop mit seltenen Pflanzen und Tieren Vorteil: kein Dünger- und Schadstoffeintrag, keine Störung der Amphibien durch landwirtschaftliche Fahrzeuge.

Solarwanderweg in Mühlhausen

Der zweite Solarpark liegt in der Nähe von Mühlhausen/Opf., unmittelbar angrenzend an den Ludwig-Donau-Main-Kanal. Auch hier handelt es sich nicht um Verschwendung von wertvollem Ackerland und fruchtbarem Boden, wie uns Herr Wartner erklärte, denn im Zuge des Kanal-Neubaus musste der Grund hier 6 Meter hoch aufgefüllt werden und war demzufolge nicht mehr für den Ackerbau nutzbar. So hat man sich auch in diesem Fall entschlossen, einen Solarpark zu errichten. Bei dieser Anlage sind die Paneele auf flexiblen Metallständern montiert, die sich automatisch nach dem Stand der Sonne ausrichten. Zugegeben, das wirkt nun schon ein wenig steril, quasi wie ein Fremdkörper in der Landschaft. Auch hier gibt es allerdings die zweite Nutzung durch Schafbeweidung.
Die Menschen in der Oberpfalz sind sehr stolz auf ihre Solarparks, die den Anliegern Verdienst- und Investitionsmöglichkeiten und den örtlichen Handwerkern Einkünfte bieten. So hat man rund um die Mühlhausener Anlage sogar einen Solarwanderweg geschaffen, mit Informationstafeln und einem künstlich aufgeschütteten Hügel, damit Spaziergänger die gesamte Anlage von oben überblicken können. Der Landschaftsarchitekt bietet sogar einen selbstgezeichneten Comic über „Sunny – das Solarschaf“ zum Kauf an, der – für interessierte ausländische Besucher - bereits ins Englische übersetzt wurde.

Hartnäckige Vorurteile über Netzausbau

Auf der Weiterfahrt im Bus gab es wieder Informationen von Prof. Schrimpff, der sich bemühte, mit einigen gängigen Vorurteilen aufzuräumen. So ging es beispielsweise um Netzkapazitäten und schwankende Leistungen der Erneuerbaren. Laut Prof. Schrimpff ist ein Netzausbau zwar langfristig sinnvoll, aber keinesfalls vordringlich notwendig für die Photovoltaik. Im Gegenteil, Solarstrom könne sich sogar entlastend auf das Stromnetz auswirken. Photovoltaik besitzt zum einem die besondere Eigenschaft, dass der Zeitpunkt der maximalen Energieerzeugung sehr gut mit dem Zeitpunkt des maximalen Energiebedarfs übereinstimmt. Andererseits findet die Erzeugung von Solarstrom größtenteils dezentral statt, also direkt an den Orten des Verbrauchs. Eigenverbrauch von der Hausdach-Anlage entlastet somit das Netz, da in diesem Fall kein Netzstrom transportiert werden muss. Eigentlich müsste der Solarstrom den Großhandelspreis an der
Leipziger Strombörse, der sich aus Angebot und Nachfrage ergibt, sogar deutlich senken. Denn vor allem zur Mittagszeit wird besonders viel Solarstrom ins Netz eingespeist. Darüber sind die großen Energiekonzerne alles andere als glücklich, weil der mittägliche Solarstrom den Börsenpreis drückt, so dass den Betreibern großer Kraftwerke Millionengewinne entgehen. Den deutlich gesunkenen Börsenstrompreis, der die Kosten der EEG-Umlage teilweise kompensieren könnte, haben die vier größten Einkäufer an der Strombörse jedoch bisher noch nie an die Endverbraucher weitergegeben.


Zu dem oft kritisierten hohen Flächenverbrauch für PV-Freilandanlagen meinte Prof. Schrimpff, dass es sich seiner Ansicht nach um eine wirkliche „Brückentechnologie“ handele, denn in 30 bis 40 Jahren seien die Dächer und Fassaden der meisten Gebäude mit Photovoltaik optimal belegt. Dann könnten die Freiland-Anlagen wieder abgebaut und die landwirtschaftliche Nutzung auf inzwischen entgifteten, wiederbelebten und ausgeruhten Böden – hoffentlich naturnah – fortgesetzt werden. Es konnte außerdem nachgewiesen werden, dass sich Photovoltaik und Windkraft in der Leistung meist sehr gut ergänzen, denn der Wind weht in der Regel auch nachts und an sonnenarmen Tagen oft sogar besonders intensiv.