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Hilfsaktion "Kinder von Tschernobyl"

Wie kam es zu der Hilfsaktion?

1990, vier Jahre nach dem verheerenden Reaktorunfall in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine war das Ereignis von Tschernobyl längst aus den Schlagzeilen der westlichen Medien verschwunden. Doch wer sich dafür interessierte, wusste, dass die Folgen der atomaren Verseuchung weit schlimmer waren als zunächst angenommen.

Die Großstadt Pribjat mit über 45.000 Einwohnern, darunter 16.000 Kinder musste in kürzester Zeit geräumt werden. Alles, was den Menschen lieb und vertraut war, mussten sie zurück lassen. Aber auch in den neuen Quartieren in weniger belasteten Gebieten fühlten sich die Umsiedler (über 100.000 Menschen) wie Aussätzige, fanden oft keine Arbeit und waren für viele Krankheiten anfälliger als Menschen ohne diese schrecklichen Erfahrungen.

Mit solchen Eindrücken kamen einige Mitglieder der MÜTTER gegen ATOMKRAFT von einer Informationsreise zurück und beschlossen zu handeln.

Wie wir regelmäßig helfen

Schon der erste Aufruf für einen Transport nach Kiew fand ein großes Echo: mit Hilfe der ukrainischen Pfadfinder und Olha Tkaczenko konnten sprachliche und bürokratische Hürden genommen werden, die Stadt München unterstützte die Fahrt in die Partnerstadt Kiew durch Fahrtkostenzuschüsse. In den späteren Jahren mussten diese Kosten leider durch das Spendenaufkommen der beiden Vereine, also des Pfadfinderverbandes Plast und der MÜTTER gegen ATOMKRAFT gegen Atomkraft getragen werden.

Neben diesen Sammelaktionen im Spätherbst gab es auch das Angebot von einer Reihe von Familien, Kinder aus belasteten Regionen für ein paar Ferienwochen bei sich zuhause aufzunehmen. Da die Kinder teilweise noch sehr jung waren, reisten zusätzliche Begleitpersonen mit. Obwohl die sprachlichen Probleme nicht immer einfach waren, haben die Kinder diesen Ausflug in eine andere (= gesunde, heile, aufregende) Welt sehr genossen und es wurden sogar längerfristige Beziehungen geknüpft.

Die direkten Kontakte zu mehreren ukrainischen Frauenverbänden und dem Samariterbund ebenso wie zu Medizinern der Kinder-Krebsstation in Kiew machen es möglich, die Hilfe gezielt einzusetzen. Es werden immer nur Geräte und Medikamente besorgt, die vor Ort auch gewartet werden können. In den ersten Jahren mussten die Medikamente in Deutschland besorgt und verschickt werden, später besserte sich die Lage, sodass sich jetzt die medizinische Ausstattung einfacher in der Ukraine beschaffen lässt.

Dabei legen wir im Namen aller Spender/innen großen Wert auf Transparenz der Hilfsaktionen. Die Kosten für alle medizinischen Ausgaben werden mit Belegen bescheinigt, ebenso bekommen wir Rechenschaft über die Verteilung der Lebensmittelpakete. Die sehr schön gestalteten Dankesbriefe machen uns unsererseits Freude, aber noch mehr die Fotos von den Kindern, die ihre Päckchen zum ukrainischen Weihnachtsfest am 6. Januar in Empfang nehmen.

Es sind jedoch nicht immer strahlende Kinderaugen, denn diese Bilder können nicht verbergen, dass es den kleinen Patienten nicht gut geht. Sie hängen an Infusionsapparaten, sind geschwächt durch die Chemotherapie, haben die Haare verloren, ihnen und ihren Müttern fällt es schwer zu lächeln. Ist so ein Paket mit Nougatcreme, Zahnpasta und anderen Leckerbissen eben doch nur ein überflüssiger Tropfen, der das Leid nicht mindert? Die ins Deutsche übersetzten Briefe der Empfänger geben darauf eine klare Antwort: Nein, diese Weihnachtspakete empfinden viele als Lichtstrahl. Die Familien sind durch ein behindertes oder schwer erkranktes Kind so stark unter Druck, seelisch wie finanziell, dass ein paar Lebensmittel, als Geschenk verpackt, sie hoffnungsfroher machen. Deshalb haben wir die Sammelaktion über mehr als zwei Jahrzehnte aufrecht erhalten und hoffen, dass sie weiter gehen wird.

Kreativität beim Spendensammeln

Jede Aktion lebt vom Ideenreichtum der Sammler und Sammlerinnen, so auch die Hilfe Kinder von Tschernobyl. Zu ihren Gunsten finden Benefizkonzerte statt, mit gespendeter Wolle hat eine alte Dame stapelweise Decken gehäkelt, die dann per LKW zu ihrem ukrainischen Bestimmungsort gebracht wurden. Am Marktstand und in Geschäften werden die kunstvoll gebatikten Ostereier angeboten, deren Erlös wiederum der KvT-Hilfe zugute kommt.

Besonders sinnvoll erscheint uns, wenn Kinder in Kitas und Schulen sich an der Sammlung beteiligen. Dann erfahren sie ganz nebenbei, warum es anderen Kindern, die weit entfernt leben, so viel schlechter geht. Kleine Patienten, die zum Zeitpunkt des Reaktorunglücks noch nicht auf der Welt waren, ebenso wie die Kinder in Deutschland, die jetzt für sie die Pakete zusammenstellen. Die warmen Winterstiefel, die Bettwäsche, aber auch die Rollstühle und Gehhilfen finden in den Kliniken und Waisenhäusern dankbare Abnehmer.

Ohne die große Zahl ehrenamtlicher Helfer, die die Transporter be- und bei der Spedition wieder entladen, könnten die Sachspenden gar nicht auf die Reise geschickt werden. Wo bei Großorganisationen ein enormer finanzieller und logistischer Einsatz dahinter steht, ist bei allen, die unsere Aktion unterstützen, so viel Idealismus und Motivation vorhanden.

Wir freuen uns über jede und jeden, der bei der nächsten Sammelaktion helfen und sich aktiv beteiligen möchte.