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Informationspolitik

von Renate Wolff

Das Erdbeben vor der japanischen Küste und der nachfolgende Tsunami vom 11. März 2011 machte aus der Küste um Fukushima ein Katastrophengebiet. Die Bilder von den Verwüstungen, gingen sofort um die Welt. Die Tatsache, dass auch das Kernkraftwerk betroffen war, konnte nicht geleugnet werden. Angst und Schrecken wurden täglich auch für Europäer greifbarer, die das Geschehen am Fernseher verfolgten.

Zunächst wurde das Ereignis von den Behörden am 11. März 2011 nach der INES–Skala mit Stufe 3 bewertet. Schon einen Tag später wurde dies korrigiert und auf Stufe 5 (ernster Unfall) hoch gesetzt. Erst einen Monat später, am 12. April 2011, wurde erstmals die Stufe 7 angegeben für das gesamte Gebiet auf Grund der Freisetzung großer Mengen radioaktiver Stoffe. Zur INES-Einstufung vom 12. April 2011 der Ereignisse in Fukushima Daiichi

Was alle Menschen im Fernsehen mit Entsetzen verfolgen konnten, wurde nun endlich von den Behörden auch so genannt: Es hatte ein GAU (Größter Anzunehmender Unfall) stattgefunden, nicht nur einer, sondern in jedem der vier Blöcke jeweils einer.

Die Menschen auf der ganzen Welt waren nicht nur Zeugen der Explosion der Reaktorblöcke, sondern auch Zeugen der widersprüchlichen Informationen durch japanische Politiker, die bisher ganz auf die Sicherheit der AKWs vertraut hatten.

Während wir MÜTTER gegen ATOMKRAFT noch mit anderen Gruppen zusammen in Gundremmingen vor dem AKW gegen den „Ausstieg vom Ausstieg“ aus der Kernenergie durch die schwarz-gelbe Regierung protestierten, nahm die Katastrophe in Japan immer größere Ausmaße an.

Die Betreiberfirma Tepco informierte nur schleppend, verharmlosend und widersprüchlich. Erst viel später hat Tepco zugegeben, bewusst getäuscht zu haben, weil man verhindern wollte, dass es zu einer dauerhaften Stilllegung der Anlage kommt.

Tepco hat ebenfalls zugegeben, schon lange vor dem Unglück von der unzureichenden Sicherung der Anlage gegen Tsunamis gewusst und trotzdem nichts unternommen zu haben.

Dieses Verhalten spricht für sich!

Der Umgang der japanischen Regierung mit Sicherheitsmängeln macht sprachlos!

Folgen für Deutschland

  • Die oft vertretene Meinung, in einem hoch technisierten Land könne so etwas (wie Tschernobyl) nicht passieren, ist nun durch Japan endgültig widerlegt.
  • Niemand kann die Aktivisten der Antiatomkraft-Bewegung weiterhin als überängstliche Idioten hinstellen.
  • Niemand kann nun länger ignorieren, dass 80% der Bevölkerung Atomkraft ablehnt.
  • Niemand kann länger an dem „Ausstieg aus dem Ausstieg" festhalten, denn die Demonstrationen zeigten deutlich, in welche Richtung der Weg gehen muss.

Die Regierung unter Angela Merkel beschloss am 14. März 2011 ein Atom-Moratorium. Atomkraftwerke sollten einer Sicherheitsprüfung unterzogen werden und dazu sollten die sieben ältesten Meiler vorläufig abgeschaltet werden.

Acht AKWs in Deutschland sind seitdem nicht mehr am Netz.
Die Stromversorgung ist nicht zusammengebrochen.

Die Entscheidung Merkels wurde in weiten Teilen der Bevölkerung als Wahlkampfmanöver gesehen, weil sie kurz vor einigen Landtagswahlen bekannt gegeben wurde.
In der Tat gewann „Bündnis 90/dieGrünen" durch dieses Glaubwürdigkeitsproblem, das besonders durch Stellungnahmen von Seiten der FDP befeuert wurde, in drei Bundesländern erheblich dazu.

Am 30. Mai 2011 beschloss die Regierung die endgültige Stilllegung der acht AKWs.

Weiterführende Links und Quellen