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Jodvorsorge für den Fall eines Reaktorunfalls

Stand Januar 2009

Wofür Jodtabletten?

Eine Jodtablette ist keine Strahlenschutztablette. Eine hohe Jodgabe bewirkt allein die Blockade der Schilddrüse vor weiterer Jodaufnahme. Sie schützt vor der Aufnahme von radioaktivem Jod und vor der Entstehung von Schilddrüsenkrebs. Andere Krebsarten und Krankheiten, die durch radioaktive Strahlung ausgelöst werden, kann Jod nicht verhindern.

Wie wirken Jodtabletten?

Die Schilddrüse kann nicht zwischen stabilem Jod und radioaktivem Jod unterscheiden. Durch die Einnahme von Jodtabletten wird die Schilddrüse mit Jod "gesättigt" und verweigert dann die weitere Aufnahme von Jod (Jodblockade), also auch von Radiojod. Bei einem Atomunfall mit radioaktiven Freisetzungen trägt radioaktives Jod-131 entscheidend zur Strahlenbelastung bei. Es kann eingeatmet oder auch mit der Nahrung aufgenommen werden.

Wann soll man Jodtabletten einnehmen?

Die Sättigung der Schilddrüse mit stabilem Jod muss unmittelbar vor bzw. beim Eintreffen einer radioaktiven Wolke erfolgen. Bei Einnahme der Jodtablette 2 Stunden nach dem Eintreffen ist die Schutzwirkung bereits um die Hälfte gesunken. 8 Stunden nach der Exposition oder später haben Jodtabletten keinen Einfluss mehr auf die Strahlenbelastung der Schilddrüse.

Wer kann Jodtabletten einnehmen?

Gesunde Kinder, Jugendliche und Erwachsene können die Tabletten einnehmen. Die Dosierung ist für die jeweilige Altersgruppe entsprechend dem Packungshinweis zu beachten. Bei Personen mit Schilddrüsenproblemen ist eine Gefahrenabwägung nötig.

Welche Jod-Tabletten sind die richtigen?

Die bei Schilddrüsenproblemen üblicherweise genommenen Jodtabletten enthalten 0,1 bis 0,2 Milligramm Jodid. Damit es zur "Jodblockade" kommt, sind 1000-fach höher dosierte Jodtabletten nötig. Diese Kaliumjodid-Tabletten gibt es in allen Apotheken und im Internet rezeptfrei und preiswert zu kaufen. Derzeit auf dem Markt ist "Lannacher" Kaliumjodid 65 mg. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt die einmalige Einnahme von 130 mg.

Hintergrund-Informationen

Risiko-Einschätzung

Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Deutschland in einem Atomkraftwerk zu einem SuperGAU kommt, liegt bei etwa 2 %. So hat es das Bundesumweltministerium 1999 berechnet. In dieser Rechnung sind Terrorakte oder deutlich längere Betriebszeiten von Alt-Atomkraftwerken nicht berücksichtigt.

Wer bekommt Jodtabletten vom Staat?

Im Nahbereich eines AKW (0-25 km) erfolgt die Ausgabe im Katastrophenfall nur an Menschen unter 45 Jahren. Allerdings ist bekannt, dass infolge des Reaktorunfalls von Tschernobyl auch noch bis ins hohe Alter Schilddrüsenkrebs auftritt. Im Umkreis von 25-100 km gehen dann sogar jüngere Erwachsene leer aus: Der Bund hält nur für Schwangere und Kinder bis 18 Jahre einen Tabletten-Vorrat bereit.

Wie ist die Verteilung der Jodtabletten bei einen Atom-Unfall geplant?

Für den Katastrophenschutz im Umkreis von Atomkraftwerken bis zu 25 km sind die einzelnen Bundesländer zuständig. Deshalb sind die Regelungen verschieden. In einigen Bundesländern werden Jodtabletten vorsorglich an die Haushalte verteilt. In Bayern ist man prinzipiell gegen die Vorverteilung. Dort, wo nicht vorverteilt wird, liegt der Vorrat an Tabletten für den 0-25 km Umkreis und für Personen bis zum Alter von 45 Jahren in den entsprechenden Gemeinden bereit, werden aber nur bei einem Unfall ausgegeben.

Für den weiter entfernten Bereich von 25-100 km ist der Bund zuständig. (Die Tatsache, dass auch noch in 200 km Entfernung hohe radioaktive Verseuchung auftreten kann, bleibt unberücksichtigt!) Dafür wurden insgesamt 137 Millionen Kaliumjodidtabletten eingelagert, bezahlt von den Stromkonzernen.

Die Tabletten befinden sich - verteilt über das Bundesgebiet - in drei Depots (Wunsdorf in der Lüneburger Heide, Karlsruhe und Regensburg). Bei einem Atom-Unfall sollen die Vorräte aus den zentralen Depots mit Hubschraubern in die betroffenen Orte gebracht werden und dort in den Apotheken bzw. von der Feuerwehr verteilt werden. Diese Planung widerspricht allerdings der Katastrophenschutz-Empfehlung, die uns dringend rät, im Haus zu bleiben. Sehr fraglich ist auch, ob die Tabletten so rechtzeitig eintreffen können, dass sie noch eine optimale Schutzwirkung entfalten können.

Wie können wir persönlich vorsorgen?

Hochdosierte Jodtabletten im Haus zu haben, ist sinnvoll, insbesondere wenn Kinder im Haus sind. Auch in Kindergärten und Schulen sollten Jodtabletten bevorratet sein. Jodtabletten stellen aber keinen umfassenden Schutz dar gegen radioaktive Strahlung.

Allein die Stilllegung aller Atomkraftwerke garantiert unser "Recht auf Leben", das uns im deutschen Grundgesetz zugesichert wird.

Eine ausführliche Darstellung der Jodprophylaxe findet sich im Internet unter

V.i.S.d.P.: Christine Hopf MÜTTER gegen ATOMKRAFT e.V.