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Katastrophenschutz

von Renate Wolff

„Der nukleare GAU ist wahrscheinlicher als gedacht"

Unter dieser Überschrift schreibt Prof. Dr. Jos Lelienveld vom Max-Planck-Institut für Chemie am 22. Mai 2012, dass Ereignisse wie eine Kernschmelze „im momentanen Kraftwerksbestand etwa einmal in 10 bis 20 Jahren auftreten können und damit 200 mal häufiger sind als in der Vergangenheit geschätzt".

Man geht davon aus, dass etwa alle 50 Jahre für Westeuropa – also auch für Deutschland- mit einer Kontamination von mehr als 40 Kilobecquerel mit radioaktivem Cäsium-137 pro Quadratmeter gerechnet werden muss.

Diese Erkenntnisse und Berechnungen der Wissenschaftler haben zur Wende in der Atompolitik beigetragen.

Zu Konsequenzen für den Katastrophenschutz haben diese Aussagen bisher allerdings nicht geführt.

Wie sollten sie auch, denn vor einer solchen Katastrophe gibt es keinen wirksamen Schutz.

Sollte es zu einem GAU in einem europäischen Kernkraftwerk kommen, sind wir alle von der Auskunftsbereitschaft der Betreiber, der zuständigen Behörden und den Messungen einzelner Wissenschaftler (hoffentlich unabhängige) angewiesen.

Ob die betroffenen Bürger davon wirkungsvolle Hilfe erwarten können, muss sehr bezweifelt werden.

  • Ist anzunehmen, dass wir nach einem Unfall zeitnah davon erfahren?
    Im Zeitalter des Internets ist zu hoffen, dass sich solche Unfälle nicht lange verheimlichen lassen.
  • Sind Jodtabletten ein Schutz? Wie bekommt man sie?
  • Ist anzunehmen, dass die Evakuierung einer Millionenstadt wie München oder auch einer kleineren Stadt wie Landshut durchgeführt werden kann?
  • Ist das Abdichten der Fester ein wirkungsvolles Instrument, wie es auf offiziellen Internetseiten vorgeschlagen wird?
  • Ist die Versorgung einer Millionenstadt überhaupt längerfristig zu sichern?
  • Helfen die Messergebnisse der von MÜTTER gegen ATOMKRAFT betriebenen Messstation im Mangfalltal?

Das sind nur ganz wenige der vielen Fragen die sich aus der Annahme einer nuklearen Katastrophe ergeben.

Was ist zu tun?

Der einzige Schutz ist die sofortige Abschaltung der Kernkraftwerke!

Wir dürfen uns nicht zufriedengeben mit der eingeleiteten Energiewende in Deutschland, sondern müssen uns auch mit aller Kraft für die Abschaltung der AKWs in den Nachbarländern einsetzen.

Eine radioaktive Wolke macht nicht an Ländergrenzen halt.

Der aktuelle Stand:

Erstmals im März 2014, drei Jahre nach Fukushima, wurde nun von der amtierenden Umweltministerin Barbara Hindicks (SPD) ein Verbesserung des Katastrophenschutzes gefordert.

Wie unzureichend die Bevölkerung bei einem Gau (auch "Ereignis" genannt) geschützt ist, wird nicht mehr geleugnet, und die Notwendigkeit von nationalen Konsequenzen wird endlich eingesehen. Ob der Erkenntnis auch die Maßnahmen folgen, bleibt nur zu hoffen.

Unter anderem sollen die Evakuierungszonen ausgeweitet werden und betreffen in Zukunft auch Großstädte sie München und Hamburg. Die Umsetzung soll dann aber Sache der Länder sein.

Ob diese angekündigten Vorhaben mehr Schutz bieten können, bleibt zweifelhaft.

Weiterführende Links und Quellen