Sie sind hier:

Stresstests

von Renate Wolff

Dass Kernanlagen mit großen Risiken behaftet sind, wussten wir und alle Kritiker dieser Technologie nicht erst nach Fukushima.

Die Gefahren von AKWs hängen im Wesentlichen von zwei Faktoren ab:

  • Das eventuelle Bersten des Reaktordruckbehälters und
  • das eventuelle Schmelzen der Brennelemente ( Kernschmelze = Super-Gau)

Durch den Super-Gau von Fukushima im März 2011 kamen die Vertreter der kerntechnischen Aufsichtsbehörden der EU-Mitgliedsstaaten (ENSREG) nicht umhin, sich mit dem Zustand der bestehenden 143 Anlagen unter weitergehenden Gesichtspunkten als bisher geschehen zu befassen.

Der sogenannte „Stresstest" beinhaltet die Bewertung der Sicherheitsreserven einzelner Anlagen und stellt den Nachrüstungsbedarf fest. Die Robustheit der Anlagen soll überprüft werden hinsichtlich:

  • Externe Ereignisse
    (Erdbeben, Überflutung, extreme Wetterbedingungen)
  • Ausfälle von Sicherheitsfunktionen
    (z.B. Stromversorgung)
  • Maßnahmen und Vorgehen bei schweren Unfällen
  • Bericht über die Ergebnisse

Der Kriterienkatalog der ENSREG wurde erst im Nachhinein um die Frage nach Flugzeugabstürzen ergänzt.

In Fukushima hatte sich gezeigt, dass die bauliche Auslegung der Anlage völlig unzureichend gegen Überflutung gesichert war, dass Störfallbeherrschungseinrichtungen nicht von den Betriebseinrichtungen getrennt waren. Der Gedanke lag nahe, dass dies auch in europäischen Anlagen so sein könnte.

Der Betreiber in Fukushima war lange vorher über die Mängel informiert, blieb aber untätig.

Der Europäische Rat erklärte am 25. März 2011, dass die „Sicherheit aller kerntechnischer Anlagen in der EU (…) mittels einer umfassenden und transparenten Risiko- und Sicherheitsbewertung („Stresstest") überprüft werden" soll.

Nun ist die Maßnahme eines Sicherheitsschecks ja grundsätzlich zu begrüßen. Aber ...

wenn man feststellt, dass es nicht etwa eine Überprüfung durch unabhängige, fremde Kontrolleure geben soll, sondern der „Stresstest" auf den Selbstauskünften der Kraftwerksbetreiber anhand der Lastenhefte für bereits genehmigte Anlagen beruht, weiß man, was vom Ergebnis zu halten ist.

Wir haben es nun aber schwarz auf weiß, dass nahezu alle europäischen Anlagen erhebliche Sicherheitslücken aufweisen:

  • In 12 deutschen Kernkraftwerken ergaben sich Mängel in Bezug auf die Auslegung für Erdbeben und Flugzeugabstürze.
  • Besonders schlecht schnitten französische Anlagen ab.
  • Auch in Schweden und Finnland zeigten sich schwere Mängel falls es zu Unterbrechungen in der Stromversorgung kommen sollte.

Der Nachrüstungsbedarf wird mit 10 bis 25 Mrd. Euro angegeben.

In einem Teil der Kraftwerke sind bisher nicht einmal die Nachrüstungen durchgeführt worden, die nach dem GAU von Harrisburg 1979 und dem GAU von Tschernobyl 1986 vereinbart waren.

Wir kritisieren zusammen mit vielen Umweltverbänden den Stresstest und seine Durchführungsbestimmungen scharf und fordern die Abschaltung der beanstandeten Kraftwerke.

Außerdem stellen wir uns hinter die Forderung der Bundesfraktion Bündnis90/Die Grünen von Anfang 2012 für die nuklearen Zwischenlager ebenfalls einen „Stresstest" vorzunehmen.

Weiterführende Links und Quellen

Wer sich genauer informieren möchte, dem seien folgende Webseiten empfohlen: