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Mit Spenden das Überleben sichern

Die Krankengeschichten der Kinder sind sich oft sehr ähnlich. Sie fangen an mit scheinbar harmlosen Beschwerden und Müdigkeit und münden in die niederschmetternde Diagnose Krebs. Es sind noch sehr kleine Kinder oder schon Jugendliche, alle werden aus ihrem normalen Leben heraus gerissen, bekommen schmerzvolle Behandlungen, klammern sich an die Hoffnung, wieder gesund zu werden.Auch für ihre Familien bricht der Alltag oft zusammen, manche Elternpaare kommen mit der Last nicht mehr zurecht.

Was wir als Spendenorganisation in Deutschland tun können, ist vielleicht nicht viel und doch hilft es diesen jungen Patienten. In einem Land wie der Ukraine sind auch lebensnotwendige Medikamente keine Selbstverständlichkeit. Den Dank der Ärzte und der Angehörigen geben wir unverändert weiter und hoffen, dass wir auch in Zukunft finanziell helfen können, wie diese Hilfe gebraucht wird.

Sascha (Alexandra) - 13 Jahre alt

Die Eltern von Sascha haben die Krankengeschichte ihrer Tochter selbst beschrieben und bitten um Hilfe:

„Unsere Tochter kämpft schon seit einigen Monaten mit der schweren Krankheit – starke Leukämie. Das lebenslustige und zielstrebige Mädchen träumt von einer Sportkarriere. Alexandra ist 13 Jahre alt. Seit der ersten Klasse befasst sie sich mit Schwimmen, bis die hinterhältige Krankheit sie ins Krankenhaus gebracht hat. Während eines wichtigen Wettbewerbs konnte das Mädchen keine guten Resultate erreichen. Als ob sie die Kräfte verlassen hätten. Nach einem Sturz zu Hause verletzte sich Alexandra. Die Beine haben versagt und die Hände zitterten. Einige Zeit haben die Ärzte die Wirbelsäule behandelt. Die Medikamente und Therapien brachten jedoch keinen Erfolg.

Im diagnostischen Zentrum wurde ihr Blut entnommen. Die Resultate waren nicht erfreulich: akute Leukämie. Sie ist am 4. Juli in das Kreiskrankenhaus in Rivne, in die onkologische Abteilung aufgenommen worden. Sie hat sehr niedriges Hämoglobin und wenig Leukozyten. Das bedeutet, dass das Immunsystem des Mädchens sich praktisch auf null befindet. Jeder Infekt, eine banale Erkältung kann ihr Leben bedrohen. Die medizinische Untersuchung hat ergeben, dass ihre Milz und die Leber um ein Vielfaches vergrößert sind. Bei der Aufnahme in das Krankenhaus hat Alexandra bei einer Körpergröße von 173 cm nur 43 Kilo gewogen!

Der Aufenthalt im Krankenhaus wird ständig mit dem Mangel an Medikamenten, an Geld oder an Blutspenden begleitet. Wir beten und Gott hilft uns durch verschiedene Menschen. Dieses Mal ist die Hilfe von weit her gekommen – von Wohltätern und Schülern aus Bayern. Ihnen ein herzlicher elterlicher Dank. Möge Gott Sie alle segnen für diese guten Taten“.

Als schönes, kluges, aktives, zielbewusstes Mädchen ist sie nun gezwungen, 24 Stunden mit einer Infusion zu liegen. Sascha bekommt eine hoch dosierte Chemotherapie. Soeben befindet sich das Kind zur Halbzeit des zweiten Blocks. Die Behandlung setzt dem Mädchen außerordentlich zu. Am 4. Dezember hatte Sascha Geburtstag und die behandelnde Ärztin hat dem Mädchen ein Geschenk gemacht – sie hat sie für einige Tage nach Hause entlassen.

Danach folgt der nächste Block der Chemotherapie.

Maxym - 3 Jahre alt

Maxym ist einer der jüngsten Patienten in der Onkologie. Anfang Dezember 2011 hatte der Junge eine schwere Erkältung. Gleich danach hat der Kleine Probleme mit den Beinen bekommen. Die Eltern haben die Schmerzen in den Beinen auf die Krankheit zurückgeführt. Als die Schmerzen schlimmer wurden, kam er in die Unfallabteilung des Kreiskinderkrankenhauses. Nach dem Resultat der Blutuntersuchung hatten die Ärzte einen schlimmen Verdacht. Noch am selben Tag wurde das Kind in die hämatologische Abteilung verlegt. Leider hat sich der Verdacht der Ärzte bestätigt: akute lymphatische Leukämie.

Diese Krankheit hat Maxym gezwungen, den Kampf um sein kleines Leben aufzunehmen. Die Mutter ist Verkäuferin, die Familie hat noch 2 Kinder. Der Junge hat drei Blocks der Chemotherapie und eine Bestrahlung hinter sich. Im Ganzen kann man sagen, dass die Behandlung von Maxym verhältnismäßig gut, ohne starkes Abfallen der Diagnosen, verläuft.

Die Mutter von Maxym bedankt sich bei den nicht gleichgültigen Menschen in Deutschland, die ihnen geholfen haben vorwärts zu gehen und die Leukämie ihres Kindes zu bekämpfen. Die Mutter sagt: „Vom ersten Tag der Behandlung hat mein Kind Medikamente bekommen, die Sie für uns eingekauft haben. Wir konnten uns immer in schwierigen Augenblicken auf Sie verlassen. Vergelt’s Gott für Eure Gebete und die Unterstützung!“.

Nasar - 2 Jahre alt

Der Junge lebt als Waise in einem Waisenhaus. Er wird schon fast ein Jahr in der onkologischen Abteilung behandelt. Nasar sollte adoptiert und schon bald in der neuen Familie aufgenommen werden, aber er hatte einen Rückfall: Ultraschall und CT zeigten deutlich eine Geschwulst im Hoden und Lymphknoten im Brustkorb, ebenso besteht Verdacht auf Metastasen in der Lunge.

asar ist fröhlich und aktiv geblieben. Er empfängt alle Besucher mit großer Freude und umarmt alle, die ihn in den Arm nehmen, kräftig! Für seine zwei Jahre ist er sehr gut entwickelt und ein aufgeweckter Junge.

Für das Kind beginnt wieder eine schmerzhafte und lang anhaltende Behandlung. Da das Kind keine Eltern hat, überbringen wir, Ärzte und die ehrenamtlichen Helfer, unseren herzlichen Dank an die Spender aus Bayern. Ein großer Dank an Sie für das Lächeln unseres Kleinen! Dank Eurer Hilfe kann er wohl weiter leben.

Ruslan

Ruslan bekommt nun den sechsten Block der Chemotherapie. Nach den Prognosen der Ärzte soll das der letzte sein. Die Geschwulst, die am Anfang der Behandlung 19 cm groß war und auf Ruslans Magen drückte, hat sich jetzt auf 0,3 cm verkleinert.

Die Mutter des Jungen bat uns, den Freunden aus Deutschland, die ihrem Sohn geholfen haben, zu danken. Ihre Hilfe ist sehr wichtig. Frau Maria sagt, dass die Familie für die gesamte Behandlung bereits 100.000,- Hrywni (entspricht ca. 10.000 Euro) ausgegeben hat. Die Familie spart an Allem, in erster Linie an Lebensmitteln. Ruslan wiegt zurzeit nur 45 kg.

Vor seiner Krankheit hat sich der Junge mit Leichtathletik befasst, seine Lieblingsdisziplin war Weitsprung. Ruslan hält sich wacker, macht Pläne für die Zukunft und verbindet seine Zukunft nur mit dem Sport. Ruslan hat schon in Erfahrung gebracht, dass man auch im Rollstuhl Fußball, Basketball, Tischtennis spielen kann. Der Junge überlegt jetzt, welche Sportarten er wählen soll. Ruslan hat bereits einen wirklichen Erwachsenentraum: der erste Schiedsrichter im Rollstuhl in der Ukraine zu sein.

Olja- 17 Jahre alt

Olja hat einen Rückfall von myeloischerLeukämie. Anderthalb Jahre nach der abgeschlossenen Behandlung wurden im Blut Blasten festgestellt. Dies bedeutet, dass alles wieder aufs Neue beginnt. Wieder Chemotherapie; diesmal eine starke gegen das Rezidiv. Sobald eine Remission erreicht wird, ist eine Knochenmark­transplan­tation notwendig. Olja ist inzwischen Studentin, sie möchte Arzthelferin werden.

Nun hat das Mädchen wieder den Kampf um ihr Leben aufgenommen. Die Mutter und der Stiefvater des Mädchens bedanken sich für die Unterstützung und bitten um erneute Hilfe. Die Mutter des Mädchens ist eine sehr bescheidene Frau. Für die vorherige Behandlung hat sie sich bis zum Schluss bemüht, nicht um Hilfe zu bitten. Nun weint die Mutter und sagt unter Tränen: „Ich verstehe, dass wir Olja retten müssen. Aber wir haben kein Geld. Bitte, helfen Sie uns".

Die Eltern schaffen es alleine nicht. Die Mutter arbeitet als Hebamme, der Stiefvater in einer Autowerkstatt. Der größte Teil des Einkommens wurde für Oljas Behandlung ausgegeben. Was sie nun machen sollen, wissen sie beim besten Willen nicht. Die Mutter sagt, dass sie ihre Kuh verkaufen werden. Aber für wie lange reicht das Geld vom Verkauf einer Kuh?

Dima - 17 Jahre alt

Noch vor vier Monaten hat Dima eine Berufsschule besucht - er wollte Maler, Stuckateur und Ofensetzer werden. In diesem Jahr hat Dima seinen 17. Geburtstag gefeiert. Im Krankenhaus hat der Arzt auf seinem ganzen Körper kleine Knötchen festgestellt. Bauch und Rücken waren übersät mit kleinen Knötchen, als ob viele Pickel unter der Haut wären. Dima musste sich einer Blutuntersuchung unterziehen, danach hat sich sein Leben durch die Leukämie verändert. Alle Pläne waren ruiniert.

Zurzeit unterzieht er sich einer Chemotherapie. Für die Familie ist das eine sehr schwierige Situation, da außer Dima noch vier Kinder im Hause sind. Während Dimas Krankenhaus­aufenthalts hat der Vater die Familie verlassen. Der Junge versucht, psychisch nicht zusammen­zubrechen und unterstützt seine Mutter, wo er nur kann. Er ist sehr bescheiden und ruhig.

Die Mutter weint und dankt für die Unterstützung mit Medikamenten, welche Dima von der Organisation „Mütter gegen Atomkraft“ aus Bayern bekommen hat.

Anastasia - 8 Jahre alt

Sie ist sehr hübsch und ein lebenslustiges Mädchen. In der Schule lernt sie sehr gut, befasst sich mit künstlerischer Gymnastik, sie träumt davon Tänzerin, Sängerin oder eine bekannte Stylistin zu werden. Das letzte Jahr brachte in ihr Leben traurige Veränderungen. Zuerst hat sie sich von Zeit zu Zeit nicht wohl gefühlt und die Ärzte haben verschiedene Diagnosen gestellt. Zum Ende des Schuljahres wurde Anastasia krank: Angina. Das Fieber wollte nicht unter 38° fallen.

Blut wurde abgenommen und dabei eine starke myeloische Leukämie festgestellt. Das Mädchen war so geschwächt, dass sie nicht mehr sitzen konnte. Nach Beginn der Behandlung hat sich die Situation etwas gebessert. Eine Besserung konnte dank der Medikamente, die vom gespendeten Geld der Organisation „Mütter gegen Atomkraft“ und der Snedwinkela Realschule eingekauft wurden, erreicht werden.

 

Lida - 4 Jahre alt

Es geht nicht in den Kopf hinein, wie in einer Familie so viel Leid sein kann. Die vierjährige Lida wird von ihrer Großmutter aufgezogen. Die Großmutter ist erst 55 Jahre alt, sieht aber viel älter aus. Einen Vater hat Lida praktisch nicht: er hat eine andere Familie, interessiert sich wenig für das Mädchen und unterstützt sie überhaupt nicht. Die Mutter des Mädchens ist schwer krank: die junge Frau hat eine Geschwulst im Hirn. Die Geschwulst ist nicht bösartig, aber seit 2003 hat sich der Zustand der Mutter zunehmend verschlechtert. Im Augenblick verliert sie das Gedächtnis. Die Großmutter kümmert sich allein um ihre Tochter. Die einzige Freude der Großmutter ist ihre kleine Enkelin.

Im Juni ist Lida krank geworden. Die Ultraschalluntersuchung hat eine Geschwulst in der Bauchhöhle ergeben. Im Krebsinstitut in Kiew wurde die Geschwulst entfernt und die Kleine ist zur Chemotherapie nach Rivne zurückgekehrt. Die Chemotherapie verläuft schwer: Lida steht nicht auf, interessiert sich für gar nichts. Vier Tage isst sie nichts, denn sie muss ständig erbrechen.

Die Großmutter erzählte uns über ihr Leben und über den Aufenthalt im Krankenhaus. Unter Tränen sagte sie, dass sie nur auf die Hilfe guter Menschen hofft. Über die Hilfe aus Deutschland sei sie unendlich dankbar. Für sie ist jetzt das Wichtigste, rechtzeitig notwendige Medikamente zu bekommen. Dank deutscher Freunde der Organisation „Mütter gegen Atomkraft“ und der Snedwinkela Realschule hat Lida diese Medikamente erhalten. Aber die Behandlung wird langwierig sein und die Familie wird weiterhin Unterstützung brauchen.

Iwan - 15 Jahre alt

Dem Alter entsprechend ist Iwan noch nicht erwachsen. Er kam ins Krankenhaus mit einer Geschwulst am Hals. Vor einem Jahr hat die Mutter zuerst bemerkt, dass der Hals bei ihm etwas dicker geworden ist, hat dem aber keine Bedeutung beigemessen. Iwan hat sich sehr gut gefühlt und niemand konnte ahnen, in welch schlimmer Situation er sich befindet. Vor dem 1. September hat die Mutter beschlossen, den Sohn untersuchen zu lassen. Zwei Monate lang waren die Ärzte nicht in der Lage, eine genaue Diagnose zu stellen. Erst danach haben wir die Diagnose erfahren: Lymphogranulomatose.

Iwan hat die Neuigkeit, dass es eine langwierige Behandlung sein wird, ruhig aufgenommen. Iwan ist still, aufmerksam, ein konfliktfreier Junge. Die Mutter hat keine Möglichkeit, ständig beim Sohn in der Klinik zu sein, da sie die gelähmte 80-jährige Großmutter, die man nicht lange allein lassen kann, pflegt. Iwan ist das einzige Kind in unserer Abteilung, das nahezu ohne seine Mutter auskommen muss. Aber er ist nicht traurig. Iwan hört aufmerksam den Anweisungen des Arztes zu und befolgt sie.

Die finanzielle Lage der Familie ist besonders schwierig. Vor zwei Jahren ist Iwans Vater verstorben, die Mutter ist arbeitslos. In der Familie gibt es noch eine 18-jährige Tochter. Die Familie ist sehr arm. Als Iwan das erste Mal in der Klinik geblieben ist, konnte die Ärztin keine Verbindung mit der Mutter aufnehmen, weil sie kein Telefon hat.

Iwan hat soeben den zweiten Block der Chemotherapie begonnen. Die ganze Chemotherapie ist dank der Hilfe der Organisation „Mütter gegen Atomkraft“ und der Snedwinkela Realschule ermöglicht worden.

Dmytro - 8 Jahre alt

Er ist seit September in der onkologischen Abteilung. Die Ärzte haben eine Diagnose gestellt: Lymphogranulomatose. Den ersten Block der Chemotherapie hat er sehr schlecht vertragen: er hatte ständig Fieber und ein allgemein schlechtes Befinden. Nach dem Ende des erstens Blocks der Chemotherapie haben sich die Analysen sehr verschlechtert. Der Arzt sagt, dass so etwas selten vorkommt. Man kann sich vorstellen, wie schlecht es dem Jungen bei der nächsten Chemotherapie gehen wird.

Der Vater erzählt, dass sein Sohn ein guter und ruhiger Junge ist. Leider ist das Schicksal der Familie von Dmytro nicht ganz einfach und hat sie auf eine harte Probe gestellt: die Mutter ist seit langem Alkoholikerin. Vor fünf Jahren haben sich die Eltern deshalb getrennt und der Mutter wurde das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen. Der Vater erzieht alleine fünf Kinder. Dmytro ist das jüngste Kind der Familie.

Der Vater hat schon das Pferd verkauft, aber für das Geld konnte man nur wenige Medikamente kaufen. Die finanzielle Situation ist im Augenblick katastrophal. Geld ist überhaupt nicht vorhanden, und es steht noch eine lange Behandlung bevor. Dank der Hilfe aus Deutschland hat Dmytro noch Medikamente für die Chemotherapie.

 

Übersetzung aus dem Ukrainischen: Michail Dobrjanskyj