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Windkraftgegner

von Regine Metz

Sie geben kein einheitliches Bild. Die einen halten Windkraft für grundsätzlich in Ordnung, nur in ihrem speziellen Fall sei sie abzulehnen, die anderen bekennen sich ganz offen als Klima-Ignoranten und halten Windkraft für vollkommen ineffizient. Die Hauptargumente gegen Windkraft sind:

Landschaftsästhetik

Nahezu überall werden symbolkräftige Höhenlinien von Anlagen freigehalten, was bisweilen ein beachtlicher Verlust an günstig gewonnen Strom ist. Dazu dienen 2 Instrumente: ein kommunaler Flächennutzungsplan oder der Regionalplan (in Bayern 14 Planungsregionen).

Gerne wird dabei das Bild der intakten Landschaft zitiert. 98% unserer Wälder wurden bis ins Hochgebirge schon mehrmals von Menschen stark verändert, ganz zu schweigen von Grünland, Ackerflächen und einem dichten opulenten Straßennetz.

Meist wird darauf geachtet, dass nicht eine Vielzahl einzelner Pünktchen in der Landschaft entsteht. Die Konzentration in Gruppen sorgt für viele freie Blickachsen.

Beispiel Bayern:

Rechnerisch kommen auf die 2.000 Gemeinden ungefähr die gleiche Zahl an neuen Windkraftanlagen.

Auf jeden der 71 Landkreise mit seinen ca. 800 qkm kommen knapp 30 Anlagen. Nicht alle Flächen geben windtechnisch Sinn oder haben sonstige Beschränkungen. In einem großen Teil von Bayern wird man daher Windanlagen auch mit dem Fernrohr nicht sehen.

Energiesparen wichtiger als Windstrom

Dem ist zustimmen, nur: es bleibt auch bei großen Sparanstrengungen ein großer Verbrauchssockel, und da stehen uns dann im größeren Umfang nach der Wasserkraft nur Sonne und Wind zur Verfügung. Und je mehr wir Strom sparen, desto weniger muss erzeugt werden.

Lärm, Schattenwurf, Blendeffekte

Durch ausreichenden Abstand zu Siedlungen (600-800m) werden die meisten Probleme gelöst. In München steht eine Anlage auf dem Müllberg. In der knappen halben Stunde, in der die Anlage Anwohner belästigen würde, wird sie abgeschaltet. Problem gelöst.

In der Frühphase der Windkraft wurden reflektierende Lacke bei den Rotoren verwendet. Mit matten Schutzanstrichen gibt es keine belästigenden Blendeffekte mehr.

Eine riesige Windkraftindustrie zockt uns ab

Windkraftanlagen sind nicht mehr klein. Eine Anlage kostet ab 2,6 Mio €. Das bedingt auch entsprechend ausgestattete Firmen als Errichter und Betreiber. Dennoch dominieren im Binnenland mittlere Firmen und (noch?) nicht Großkonzerne. Diese konzentrieren sich auf die aufwändigeren Anlagen im Meer.

Windanlagen waren auch nie die Treiber bei der EEG-Umlage, ihre Mehrkosten hielten sich immer im Rahmen. Die Hersteller von Windanlagen sind solide Industriebetriebe geworden mit ca. 101.000 Arbeitsplätzen in Deutschland. Verglichen mit dem Unternehmen der konventionellen Energiewirtschaft dominieren hier noch mittelständische Strukturen.

Infraschall

Mit Infraschall bezeichnet man Töne, die so tief sind, dass Menschen sie normalerweise nicht wahrnehmen. Nur bei sehr hohen Lautstärken können wir Infraschall hören oder spüren.

Auch wenn die Grundlagenforschung noch nicht sehr breit ist, gibt es dennoch keinerlei Hinweise, dass Infraschall negative Folgen für die Menschen haben kann, wenn Menschen ihn auf Grund der niedrigen Lautstärke nicht hören oder spüren können. Die Studien zeigen, dass Infraschall nur dann Auswirkungen haben kann, wenn Menschen ihn hören oder spüren können.

Windkraftanlagen mit den üblichen Abständen von mindestens 600m zu Wohnbebauungen sind weit unter den menschlichen Hör- und Wahrnehmungsgrenzen. Damit sind auch keine gesundheitlichen Wirkungen zu erwarten. Der Wind erzeugt deutlich mehr Infraschall als das Windrad.

Gefährdung für Vögel

Die bisher vorliegenden Untersuchungen zeigen ein sehr geringes Risiko für möglicherweise gefährdete Vogelgruppen. Die Zahlen sind mit Vorsicht zu verwenden, sie stammen oft aus sehr spezialisierten Untersuchungen. Es gibt kein einheitliches Bild, so hat sich z.B. der seltene Kaiseradler in der Parndorfer Heide bei Wien erst angesiedelt, als dort ein großer Windpark stand.

Ein Hinweis sei erlaubt: In Deutschland leben 150 bis 200 Millionen Vögel. Die höchste Schätzzahl möglicherweise getöteter Vögel beträgt 100 000. Sowohl im Straßenverkehr als auch an Gebäuden kommt jeweils eine vielfache Zahl von Vögeln ums Leben (zwischen 20 und 30 Millionen).

Durch vorbeugende Untersuchungen können mögliche Konflikte vermieden werden. In den nächsten Jahren werden diese Erkenntnisse sicher helfen die bisherigen Wissenslücken zu schließen. Das gilt auch für die Fledermäuse. In Einzelfällen sind auch kurzzeitige Abschaltungen zu erwägen.

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