Sie sind hier:
  • Bürger gegen Atomreaktor Garching zum Störfall C-14

Aktuelle Informationen

Bürger gegen Atomreaktor Garching zum Störfall C-14

Mit einem Schreiben an die Presse weisen die Bürger gegen Atomreaktor Garching auf die Vertuschung, Beschönigung und Verharmlosung des Störfalls in Garching hin.

Wir zitieren das Schreiben:

"BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e.V.

Pressemitteilung, 25.5.2020

Atomreaktor Garching: Alles wie immer:

Störfall C-14 - Vertuschen, beschönigen und verharmlosen!

Die neuerliche illegale Freisetzung von radioaktivem Kohlenstoff (C-14) in Form von radioaktivem Kohlendioxid (CO2) ist alles andere als eine Bagatelle, auch wenn die Betreiber des FRM-II das glauben machen wollen. Es ist wie immer: Es wird vertuscht, beschönigt und verharmlost.

Es ist schon ziemlich dreist: Bereits Anfang April wird der genehmigte Jahresgrenzwert von 20.000.000.000 Bq für C-14 um 15 Prozent überschritten, aber die Betreiber meinen, dass dieser einfach nur sehr niedrig festgesetzt wurde und völlig unbedenklich sei. Nach der Strahlenschutzverordnung sei eine viel höhere Menge erlaubt.

Ja, was jetzt? Nach welchen Regeln wird hier gespielt? Sind die Genehmigungswerte nur Richtwerte, die man einhalten kann oder auch nicht? Und wenn alles unbedenklich ist, wofür wurden dann überhaupt Grenzwerte festgelegt und in der Genehmigung festgeschrieben? Das kann es ja wohl nicht sein!

Außerdem ist es sehr verwunderlich, dass nach dem ersten C-14-Störfall gegen Ende 2012 der Reaktor bereits in Erwartung einer Überschreitung des Jahresgrenzwerts abrupt sogar den laufenden Betriebszyklus abbrechen musste. Und jetzt, wo der Jahresgrenzwert für C-14 sogar um 15 Prozent überschritten ist, wird von Seiten der Betreiber über einen weiteren Betrieb laut nachgedacht und diskutiert. Dabei ist doch alles klar: Der Jahresgrenzwert ist überschritten, der Reaktor muss bis Ende dieses Jahres den Betrieb einstellen. Denn bei einem Betrieb würde über den Rest des Jahres noch weiteres C-14 emittiert, allerdings nicht allein, sondern auch noch weitere flüchtige Radionuklide, wie z.B. Tritium oder Krypton.

Man wundert sich, dass eine Auflage die nach dem ersten C-14-Störfall festgesetzt wurde, entweder missachtet oder klammheimlich wieder abgeschafft wurde. Damals war angeordnet worden, dass statt einer vierteljährlichen Kontrolle künftig monatliche Bilanzierungen vorzunehmen seien. Aber offenbar wurde erneut nur vierteljährlich kontrolliert. Wann, von wem und warum wurde das geändert? Die Öffentlichkeit wurde darüber jedenfalls nicht informiert!

Verharmlosend wird behauptet, dass das C-14, das ungehindert über den Kamin aufgrund einer Schlamperei des Personals, bei der es sich um eine gravierende Missachtung der betrieblichen Vorschriften handelt, entwichen und nur auf dem Gebiet des Campus niedergegangen sei. Gibt es dazu überhaupt Belege in Form von Kontrollmessungen? Wenn ja, dann sollten die entsprechenden Untersuchungen unverzüglich öffentlich gemacht werden. Und selbst wenn sich der Niederschlag auf das Campus-Gelände beschränkt hat, dann ist eine sofortige Dekontaminierung des Gebietes erforderlich. Schließlich wird der radioaktive Kohlenstoff in Pflanzen aller Art eingebaut.

Das radioaktive CO2 kann sich je nach Wetterlage durchaus sehr weiträumig ausgebreitet haben. Es ist zu befürchten, dass bei einer Ausbreitung des über den Kamin entlassenen Nuklids Bürgerinnen und Bürger einer zusätzlichen radioaktiven

Belastung und damit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgesetzt waren, ohne, dass sie davon Kenntnis erhalten hatten.

Da der C-14 Austritt von mehr als der gesamten Jahresdosis (115 Prozent) innerhalb von wenigen Tagen erfolgt ist, heißt das, dass die entsprechende Tagesdosis enorm hoch gewesen sein muss. Eine Abschätzung ergab eine Erhöhung um ca. 4000 Prozent. Mit seiner langen Halbwertzeit von 5730 Jahren wird es dauerhaft in der Umwelt verbleiben.

Wir fordern eine lückenlose Aufklärung dieses Störfalls und umgehende Information der Bevölkerung. Keinesfalls darf der FRM-II in diesem Jahr wieder in Betrieb gehen, da die Jahresdosis der C-14-Abgabe bereits überschritten ist. Darüber hinaus ist der Betrieb des FRM-II sowieso illegal, da eine wesentliche Genehmigungsauflage nicht erfüllt wurde. In der dritten und letzten Teilgenehmigung wurde der Betrieb mit hochangereichertem, waffenfähigen Uran bis zum 31.12.2010 befristet. Eine Umrüstung ist bis heute nicht erfolgt. Ein viel beachtetes Gutachten hat dies bestätigt, die Atomaufsicht muss nun endlich handeln und den FRM-II dauerhaft stilllegen."

Zurück