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Buch Rezension: "Kein schönerer Ort" von Manichi Yoshimura

KEIN SCHÖNERER ORT

Der Anspruch der Erzählung ist laut Klappentext hoch: „Das Buch beschreibt in sehr leisem, aber nach und nach immer eindringlicher werdendem Ton, was passiert, wenn man (…) Augen und Ohren vor Dingen verschließt, die nicht sein können, weil sie nicht sein dürfen; es beschreibt, wie aus Not Gemeinschaft entsteht und ein falsch verstandenes Gemeinschaftsgefühl, das zu Bespitzelung, Unterdrückung und schließlich Gleichschaltung führt“ – das alles aus der Perspektive eines elfjährigen Mädchens. Kein einfaches Unterfangen für einen (männlichen) Autor. Allerdings können elfjährige Kinder vermutlich wenig damit anfangen.

Was Schlimmes geschehen ist, erfährt man nicht. Es geht nicht um die Katastrophe selbst, sondern um deren Folgen im Alltag der Menschen. Die Atomkatastrophe von Fukushima liegt nahe, aber es könnte auch jede andere Leben und Gesundheit bedrohende Katastrophe sein – wenngleich Fukushima am 11.3.2004 den Anlass für dieses Buch lieferte.

Man lernt viel über die in unseren Augen japanischen gesellschaftlichen Zwänge, denen sich die Menschen widerspruchslos beugen, und es geht um Heimat und darum, seinen eigenen Wahrnehmungen zu trauen. Das alles muss aber nicht zwangsläufig seine Ursache in einer Katastrophe haben, sondern kann auch an kulturellen Gegebenheiten liegen.

Das große Manko des Buchs liegt meines Erachtens darin, dass beim Lesen zwar ein wachsendes Unbehagen hochkommt, auch eine gewisse Spannung. Aber nichts davon wird aufgelöst, nichts ist konkret, und das führte dazu, dass ich mich leider irgendwann gelangweilt habe und am Ende so schlau und ratlos war wie zuvor.

Kein schönerer Ort, Manichi Yoshimura, Übersetzung Jürgen Stalph. Erschienen bei cass. ISBN 978-3-944751-19-1

Heike Warth

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