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Rückblick: Besuch der Wasserschnecke am Schwabinger Bach

Wer ihn nicht kennt, würde den Zugang gar nicht finden. Mitten in Schwabing an der Biedersteinstraße führt ein schmaler Fußweg über etliche Stufen zu einem rauschenden Bach. Den Kanal haben bayerische Soldaten auf Befehl des Kurfürsten Max Emanuel im Jahre 1702 gegraben, um das Wasser der Würm über Nymphenburg bis zum Schloss Schleißheim zu leiten.

Dreihundert Jahre später, die barocke Zeit der königlichen Wasserspiele ist längst vorbei, auch das Schlösschen Biederstein ist verfallen, ergießt sich noch immer hinter der Alt-Münchner Gaststätte „Brunnwart“ das Wasser über mehrere Abstürze, bis es in den  Schwabinger Bach mündet. Das ließ den angehenden Hydraulikingenieur Johannes Titze nicht ruhen. In langwierigen Verhandlungen mit der Stadt München und dem Wasserwirtschaftsamt bekam er schließlich die Genehmigung, an eben dieser Stelle ein kleines Kraftwerk zu bauen und das Wasser 30 Jahre lang zu nutzen. Als Modellvorhaben sollte am historischen Ort für alle Besucher sichtbar werden, wie so eine Minianlage mit erneuerbarer Energie funktioniert.

Das Prinzip ist schon uralt: Archimedes hat im 3. Jahrtausend v. Chr. eine Pumpspirale zur Bewässerung der Felder erfunden. Jetzt dagegen treibt die Rotation der Wasserschnecke eine Turbine an, die Strom erzeugt. Damit die tonnenschwere Metallspirale fischverträglich ist, wurde lange probiert, bis man die optimale Krümmung gefunden hatte. Seit Mai 2010 ist die Schnecke, 10,7 Meter lang und 2 Meter im Durchmesser breit, in Betrieb. Auf einer Informationstafel steht, dass jährlich 300.000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden, die etwas mehr als 100 Münchner Haushalte mit regenerativer Energie versorgen.

Möglich wurde das nur, weil ein Investor, der die Anlage selbst gebaut hat und sie heute regelmäßig kontrolliert, ebenso beharrlich wie der Planer an die Idee bis zu ihrer Verwirklichung geglaubt hat. 400.000 Euro hat die Anlage gekostet, eine Investition in die Wasserkraft, die Franz Baumann für langfristiger ansieht als die finanzielle Förderung von 20 Jahren mit der EEG-Umlage.

Die Besuchergruppe auf Einladung der Mütter gegen Atomkraft ist beeindruckt, dass durch Privatinitiative mitten in der Großstadt umweltfreundliche Stromerzeugung entstehen kann. Tag und Nacht, im Sommer und Winter dreht sich die Schnecke am rauschenden Bach. Hinter den Büschen lärmt der Verkehr auf dem Mittleren Ring. Doch hier, im Schatten der Bäume ist ein Stück Energie-Zukunft zu besichtigen. Ob die Gäste des romantischen Biergartens vom Brunnwart wissen, was sich ein paar Meter tiefer abspielt? Wir stoßen mit den Betreibern auf das gelungene Experiment der Wasserschnecke an und wünschen ihr einen langen, störungsfreien Betrieb.

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